Am Anfang war das Moor

Das Doppeljubiläum 175 Jahre Moorbad und 125 Jahre Heilbad verdankt Bad Aibling vor allem einem Mann: Dr. Desiderius Beck. Er hat das Moor als Heilmittel für Bad Aibling „entdeckt“. Dabei landete er nicht einmal ganz freiwillig im damaligen Markt Aibling.

Keine Frage, Dr. Desiderius Beck und das Moor haben Bad Aibling geprägt. Ohne Moor wäre Aibling kein Bad und die Therme gäbe es auch nicht. Doch wie ist Bad Aibling zu seinem „schwarzen Gold“ gekommen? Ganz einfach: Bei der letzten Eiszeit vor vielen Tausend Jahren entstand auch im Inntal ein Gletscher. Als er sich zurückzog hinterließ er den Rosenheimer See, der sich über eine große Fläche erstreckte. Im Laufe der Zeit verlandete dieser See. In den zurückbleibenden Feuchtmulden konnten abgestorbene Gräser und Moose durch den hohen Grundwasserspiegel nicht abgebaut werden und bildeten so nach und nach ein Moor. Da ein naturbelassener Moorkörper pro Jahr um etwa einen Millimeter wächst, kann man sich leicht vorstellen, dass es viele Jahrtausende für ein richtiges Moor braucht.

Nachdem wir nun einige Grundlagen kennen, wenden wir uns wieder Desiderius Beck zu. 1829 ließ sich Dr. Desiderius Beck als praktischer Arzt in Aibling nieder. Zwei Jahre später zog er nach Rosenheim um. Zunächst übernahm er kommissarisch die Stelle des Salinarztes. Nachdem seine Hoffnung auf eine Festanstellung in Rosenheim scheiterte, ging er 1835 nach Wolfratshausen und wurde dort staatlicher Landgerichtsarzt. Zugleich betrieb er seine Rückversetzung nach Rosenheim und stellte Antrag um Antrag. 1838 wurde Aiblings Landgericht neu installiert und Dr. Beck sah hier eine Chance, Rosenheim zumindest wieder näher zu kommen.

Sein Gesuch um Versetzung nach Aibling wurde schnell genehmigt. Aber seine folgenden Anträge auf eine Stelle in Rosenheim blieben ohne Erfolg und Dr. Beck musste als Königlich Bayerischer Gerichtsarzt in Aibling bleiben. So verkaufte er 1843 sein Anwesen in Rosenheim, erwarb Grund in Aibling und fing an zu bauen. Damit beginnt die Geschichte seiner „Soolen- und Moor-Schlamm-Bad-Anstalt“.
Denn seine, sowie Aiblings Zukunft sah Dr. Desiderius Beck im Moor, genauer gesagt im Moorbad.

Dr. Desiderius Beck
um 1845

Nach sieben Jahren Forschung, ob das Aiblinger Torfmoor zum Heilen nützlich sein könnte, eröffnete der königlich bayerische Gerichtsarzt Dr. Desiderius Beck im Jahre 1845 die erste Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt Bayerns in Aibling.
Im Markt Aibling leben zu dieser Zeit rund 2.500 Einwohner. Mit den ersten Moorschlammbädern im Mai 1846 startet die inzwischen 175-jährige Tradition, Naturmoor als Heilmittel für zahlreiche Beschwerden und Krankheiten zu nutzen.

Moorabbau
um 1850

Das Heilmoor wird von Torfstechern im Aiblinger Moorgebiet abgebaut und für die Anwendung aufbereitet. Für ein Vollbad benötigt man zwei bis drei Zentner Moor. Bereits damals war man von der Heilwirkung der Aiblinger Moorvollbäder überzeugt.

Erster Aufschwung
um 1857

Im Jahr 1857 wird die Bayerische Maximiliansbahn fertig gestellt und die neue Bahnline München-Holzkirchen-Aibling-Rosenheim eröffnet. Mit der Bahn kommen mehr Kurgäste nach Aibling, die die wohltuenden Soolen- und Moorschlammanwendungen nutzen.

Markt Aibling
um 1875

Knapp 30 Jahre nach der Eröffnung des ersten Moorbadehauses erhält dieses nach gnädigster Genehmigung durch König Ludwig II den Namen „Ludwigsbad“. Davor war das Kurhotel als „Sophienbad“ bekannt.
Im darauffolgenden Jahr verleiht die Marktgemeinde Aibling Dr. Desiderius Beck das Ehrenbürgerrecht.

1875 öffnet mit dem Johannisbad das zweite Kurmittelhaus in Aibling.

Dr. Desiderius Beck verstirbt im Jahre 1877.

Kurort Bad Aibling
um 1895

Aibling gewinnt mit seinen Soolen- und Moorschlamm-Anwendungen mehr und mehr an Bekanntheit und Beliebtheit. Prinzregent Luitpold verleiht im Jahre 1895 Aibling als aufstrebendem Kurort den Titel „Bad“ und setzt somit ein Zeichen für die inzwischen 175 Jahre alte Kompetenz der Kurstadt und der nachhaltigen Wirkung des schwarzen Goldes – dem Naturmoor Bad Aiblings.

Kurpark
um 1905

Der Kurpark Bad Aibling ist wohl das erste bekannte Beispiel für Guerilla-Gardening. Um das Jahr 1905 wollte der Magistrat von Bad Aibling ein großes Grundstück mitten in der Stadt bebauen. Jedoch hatte der Ortsverschönerungsverein eine andere Vorstellung von seiner Stadt und bepflanzte in einer Nacht- und Nebelaktion die verplanten Wiesen mit Bäumen, schuf damit Tatsachen und verhinderte die Bebauung.

Inzwischen gilt der Kurpark in Bad Aibling als einer der schönsten in Deutschland.

Kurhaus
um 1907

Das Kurhaus Bad Aibling wurde im Jahr 1907 mitten im schönen Kurpark erbaut. Seit dem wurde es mehrfach umgebaut und modernisiert.
Damals wie heute trägt das Kurhaus mit seinen zahlreichen Veranstaltungen eine wichtige kulturelle Rolle in der Kur- und Kulturgeschichte der Stadt.

Der Brunnenhof war bereits damals bekannt für seine Kurkonzerte – und auch heute noch trifft man sich dort in den Sommermonaten zu „Kultur im Park“.

Stadt Bad Aibling
um 1933

1933 wird der Markt Aibling zur Stadt erhoben.
Bad Aibling zählt inzwischen rund 4.400 Einwohner. Bürger sowie Gäste genießen die ruhige und gemütliche Atmosphäre der kleinen Kurstadt mit ihrer wunderbaren Lage im Voralpenland, der schönen Landschaft mit Wiesen und Hügeln, Bächen und Flüssen. Dies und die herzliche oberbayerische Gastfreundschaft verbinden sich damals wie heute perfekt für alle, die nach Bad Aibling kommen, um gesund zu werden.

Kurstadt
um 1955

Im Jahr 1955 überzeugen sich bereits 4.335 Kurgäste von der wohltuenden Wirkung des Naturmoors bei einem Kuraufenthalt in Bad Aibling. Denn was man damals bereits vermutete ist heute mehrfach wissenschaftlich bewiesen: Ein Moorvollbad stärkt die Abwehrkräfte und aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers – es hilft bei orthopädischen Leiden ebenso wie bei Rheuma, Frauenleiden sowie Stressabbau.

Klinik Wendelstein
um 1964

Mit der Eröffnung der Kurklinik Wendelstein der BfA im Jahr 1964 wird Bad Aibling auch Standort für Kuren der Sozialversicherungsträger. Wenige Zeit später kommt die Rheuma-Klinik der Landesversicherungsanstalt für Arbeiter hinzu. Zahlreiche Kliniken, Einrichtungen für Kur und Rehabilitation sowie Ärzte haben sich seit dieser Zeit in Bad Aibling angesiedelt und verhelfen so der lebenswerten Stadt zu größter Kompetenz im Gesundheitsbereich.

Gesundheitsreform
um 1995

Mit der neuen Gesundheitsreform des damaligen Gesundheitsministers Seehofer im Jahre 1995 begann ein abrupter Einbruch des Kurwesens im ganzen Land. Viele Kliniken und Sanatorien mussten schließen. Die Hotels demontierten die Moorbadeanlagen und wieder andere Betriebe suchten neue Betätigungsfelder. Konnte die Kurstadt Ende der 1980er Jahre noch 17 ambulante und stationäre Moorbade-Einrichtungen, über 3.000 Gästebetten und rund 600.000 Übernachtungen verbuchen, so waren es zehn Jahre nach der Gesundheitsreform nur noch knapp 280.000 Nächtigungen bei rund 1.500 Gästebetten.

Thermalbad
um 2007

Über ein Jahrhundert nach den Anfängen Dr. Becks kommt im Jahr 2007 das Thermalwasser als weiteres Heilmittel in Bad Aibling hinzug und verhilft der Kurstadt zu neuem Aufschwung. Bis zum zehnjährigen Jubiläum der Therme hatten schon über zwei Millionen Besucher von der wohltuenden Wirkung des schwefel-, fluorid- und jodidhaltigen Wasser, mit seinen 39 Grad der Desiderius-Quelle, profitiert.

Das Thermalwasser gilt als Heilmittel in nahezu allen medizinischen Bereichen. Wie etwa bei Rheuma, Arthrose, Neuralgien, Brüche, Muskelrisse, Gelenkentzündungen, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen der Atemwege und Hautleiden.

Moorheilbad
um 2020

175 Jahre nach der Eröffnung der ersten Soolen- und Moorschlamm-Badeanstalt kann das älteste Moorbad Bayerns nicht nur in Sachen Naturmoor eine hohe Kompetenz aufweisen – Bad Aibling ist heute eine bedeutende Gesundheitsstadt mit insgesamt sechs Fachkliniken. Zukunftstragende Investitionen wie ein neues Ärztehaus, ein Mehrgenerationenpark, die Erneuerung von Kliniken sowie die Planung zum Bau eines neuen Moorbadehauses unterstreichen die Bedeutung des Gesundheitswesens für Bad Aibling.